16. Weltkongress der EAPC vom 23.05.-25.05.2019 in Berlin

Europäische Fachgesellschaften für Onkologie & Palliativversorgung im Dialog

Einen ganzen Tag widmete die European Association for Palliative Care (EAPC) zusammen mit der European Society for Medical Onkology (ESMO) den Schnittstellen zwischen Onkologie und Palliativmedizin. Es wurde intensiv über Möglichkeiten zur Verbesserung der wechselseitigen Integration beider Fachgebiete diskutiert. Insgesamt erörterten internationale Experten über jeweils eineinhalb Stunden drei große Themenkomplexe (Globale Entwicklungen bei der Integration von Onkologie und Palliativmedizin, Integration von Onkologie und Palliativmedizin, Palliativmedizin für Menschen mit Krebserkrankungen). Abschließend konnten die Teilnehmer in freier Runde mit Fachexperten über die Themen des Tages diskutieren. Insbesondere für onkologische Patienten in fortgeschrittenen Stadien und inkurabler Erkrankungssituation ist eine frühe Integration der Palliativmedizin wichtig. Dies führte in diversen Studien unter anderem zu verbesserten unterschiedlichen Outcomes hinsichtlich Gesamtüberleben, Symptomkontrolle, allgemeine Lebensqualität und Patientenzufriedenheit. Aber auch Angehörige profitieren von einer frühzeitigen palliativmedizinischen Anbindung zum Beispiel durch eine begleitende psychoonkologische und sozialrechtliche Betreuung. So ist die Thematik der „early palliative integration“ Gegenstand mehrerer aktueller onkologischer Studien. Dies bedeutet, dass Patienten, die bereits bei Erstdiagnose ein metastasiertes Stadium aufweisen parallel zur aktiven Tumortherapie palliativmedizinisch angebunden und betreut werden.

Eine zentrale Rolle bei der Umsetzung verbesserter Integration von Onkologie und Palliativmedizin spielen systematische Assessments bzw. feste Behandlungspfade sowie aktive Patientenmitarbeit in Form von PRO’s (patient related outcomes). Fehlende internationale Standardisierung der Organisation, Ausbildung und Forschung in den Themenbereichen der Onkologie und Palliativmedizin sind aktuell die größten Barrieren für eine erfolgreiche Integration der beiden Fachgebiete. Es werden definierte Behandlungspfade und insbesondere multidisziplinäre bzw. multiprofessionelle Teams benötigt um eine gelungene Integration zu erreichen. Eine weitere Notwendigkeit ist eine verbesserte palliativmedizinische Ausbildung von Hämato-Onkologen im Rahmen Ihrer Facharztausbildung.

Fazit

Die Veranstaltung verdeutlichte, dass die beiden fachübergreifenden Themengebiete untrennbar miteinander verknüpft sind, es einer besseren palliativmedizinischen Ausbildung von Hämato,-Onkologen, aber auch einer besseren onkologischen Ausbildung von Palliativmedizinern bedarf. 

Die onkologische und palliativmedizinische Versorgungskette kann jedoch nur durch interdisziplinäre, bzw. multidisziplinäre Expertenteams und deren Zusammenarbeit geschlossen werden, und so die Versorgung aller onkologischer Patienten verbessert werden. Ein erster Schritt ist die nationale Vereinheitlichung onkologisch-pallitivmedizinischer Strukturen. Ein schwieriges Thema war lange Jahre die Regelung der spezialisierten und allgemeinen ambulanten Palliativversorgung (SAPV und AAPV) in Deutschland. Der GKV-Spitzenverband vereinbart zeitnah (geplant bis zum 30.09.2019) mit den maßgeblichen Spitzenorganisationen der Hospizarbeit und Palliativversorgung auf Bundesebene einen einheitlichen verbindlichen Rahmenvertrag.